Schlagwort: leere Haushaltskasse

  • Der Bauernmarkt zum Schützenfest in Bad Sachsa.

    Der Bauernmarkt zum Schützenfest in Bad Sachsa.

    Es war perfektes Marktwetter. Nicht zu heiß und trocken. Der Wind hat uns ein wenig geneckt und ein Zelt wollte fliegen, wurde aber dank kräftiger Hände daran gehindert. Ich hoffe, die wunderschön gestalteten und selbst hergestellten Holzskulpturen haben nicht gelitten.

    Der Name des Marktes war etwas irreführend. „Kreativmarkt der besonderen Art“ hätte viel besser gepasst. Mehr als zwanzig Stände mit handgefertigten Produkten waren punkt 10 Uhr mit dem Aufbau fertig und erwarteten Neugierige und Interessenten.

    Am Stand neben mir konnte man zusehen, wie eine Druckmaschine Schicht um Schicht ein Dinosaurier erschuf. Neben mir häkelte eine junge Frau kleine Kunstwerke. Daneben ein Stand mit vielen kleinen nützlichen Dingen für Haus und Garten.
    Unzählige Unikate, überwiegend in der heimischen Werkstatt oder am „Küchentisch“ hergestellte Kleinode standen ordentlich aufgereiht und liebevoll präsentiert.

    Es wurde 11 Uhr – wir konnten 5 Marktbesucher zählen. Es wurde 12 Uhr. Tatsächlich waren es nun ca. 20 Menschen, die über den Markt schlenderten. Bis 14 Uhr waren es dann nochmal 10.

    Der erste Aussteller packte ein. Ich konnte ihn verstehen. Wer einen ganzen Tag investiert, früh aufsteht, den Stand aufbaut, Gebühren bezahlt und seine Arbeiten mitbringt, wünscht sich mehr als leere Wege zwischen den Zelten. Ich schätze, das allgemeine Desinteresse war zu stark für seine Handwerkerseele.
    Am Nachmittag wurde es dann richtig „voll“. An fast jeden Stand hielt sich ein Interessierter oder eine Familie auf. Trotzdem war der Platz an sich leer. Da der Wind auch noch etwas kräftiger hinzukam und die realen Kanonen (der heimischen Schützengilde) diesaml ohne Vorwarnung schossen, war es dann weiteren Kollegen zu viel. Als wir pünktlich zum Marktende um 18 Uhr einpackten, waren wir fast die letzten auf dem Platz.

    Liebe Leser: ein Markt lebt von Akzeptanz, von Neugier und Respekt. Gerade in der jetzigen Zeit, wo viele nicht wissen, wie sie über die Runden kommen können und versuchen, mit eigener Hände Arbeit und Ideen etwas Geld in die leere Haushaltskasse zu bekommen – gerade jetzt, wo die industrielle Welt sich aus Deutschland zurückzieht – sollten wir uns gegenseitig stützen und den Mut aufbringend, das Handwerk zu schätzen.
    Wie oft stehen die Menschen drei Meter vom Stand entfernt und schauen vom weiten – meist die Brille in der Tasche – und urteilen über Produkte, die sie in ihrem Umfang oder der Qualität gar nicht wahrnehmen können. Wir trotzen Wind und Wetter auf den Märkten, meist mit wirklich hochwertigen und einmaligen Produkten und unsere Ware wird als minderwertig beurteilt, manche sprechen sogar von „Ramsch“.

    Ramsch?

    Hinter vielen dieser Stücke stecken Stunden oder sogar Tage Arbeit. Ideen. Material. Fehlversuche. Erfahrung. Leidenschaft.
    Handwerk entsteht nicht am Fließband.
    Es entsteht durch Menschen.
    Vielleicht sollten wir wieder lernen, näher heranzugehen. Fragen zu stellen. Dinge anzufassen. Uns Zeit zu nehmen.
    Denn wenn wir wollen, dass kleine Werkstätten und kreatives Handwerk überleben, dann reicht es nicht, davon zu reden.
    Dann müssen wir auch hingehen.

    Es geht nicht nur darum, Geld auszugeben.
    Es geht darum, mit offenen Augen über einen Markt zu gehen. Sich überraschen zu lassen. Ein Werkstück in die Hand zu nehmen, Fragen zu stellen und den Menschen dahinter zu begegnen. Nicht jeder Besuch muss mit einer Einkaufstasche enden. Aber jeder Handwerker freut sich über ehrliches Interesse – denn davon lebt das Handwerk genauso wie vom Verkauf.

    Zurück zum Markt in Bad Sachsa.
    Gerade in Orten, in denen der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sollten kleine Handwerksbetriebe nicht nur geduldet, sondern bewusst gefördert werden. Denn wir sind Teil dessen, was Besucher erleben und später weitererzählen. Wer einzigartige Märkte und regionale Handwerkskunst erhalten möchte, muss ihnen auch die Chance geben, gesehen zu werden. Nur so werden wir und unsere Produkte bekannt.
    Jeder Gastgeber, jeder Veranstalter und letztlich jeder Besucher nimmt darauf Einfluss. Denn Tourismus lebt nicht nur von Hotels und Gastronomie – er lebt von den Menschen, die einen Ort mit Leben, Ideen und Kreativität füllen.
    Ich kann nur über meine Erfahrung sprechen und danke den Menschen, die uns freundlich und mit Interesse am Stand begegnet sind.
    Für mich persönlich wird Bad Sachsa erst einmal nicht mehr aufgesucht werden. Nicht aus Ärger, sondern weil Aufwand und Ergebnis in keinem guten Verhältnis standen.
    Schade eigentlich.
    Denn wir, die Aussteller, hätten deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

    Manchmal gehört zum Handwerk auch die Entscheidung, loszulassen.
    Eigentlich wäre ich heute noch einmal in Bad Sachsa gewesen. Nach dem sehr ruhigen gestrigen Markttag habe ich mich jedoch entschieden, den heutigen Termin nicht wahrzunehmen.
    Wer heute meinen Stand besuchen wollte, dem möchte ich von Herzen Danke sagen und gleichzeitig um Verständnis bitten.

    🌿Die Gutscheine der Tombola, die ich gerne gegeben habe, sind bis Ende August einlösbar – ihr findet mich donnerstags auf dem Bauernmarkt in Clausthal-Zellerfeld.


    Magistra Arcania


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